Wandern auf dem Nibelungensteig

…oder Müde Glieder und ein breites Grinsen im Gesicht – die Nibelungensteig-Serie.
124 Kilometer von Westen nach Osten quer durch den Odenwald, ca. 4.400 Höhenmeter, viele Eindrücke und vier Multicaches, das ist der Nibelungensteig.  Die Wegführung von Zwingenberg an der Bergstraße nach Freudenberg am Main geht über einige herrliche Single-Trails und schmale Waldwege und steht in einem guten Verhältnis zu den ebenfalls vorhandenen Passagen auf Forstwegen und Straßen.

Wie hat mich das damals angefixt! Im Sommer 2007 las ich einen Zeitungsartikel, in dem durch den Kreis Bergstraße angekündigt wurde, dass in Zusammenarbeit mit dem Odenwaldklub ein neuer Wanderweg ausgewiesen werden solle, der den Anspruch habe, einige der schönsten Stellen der Region zu präsentieren sowie mit einer anspruchsvollen Wegeführung auch reizvoll für den sportlichen Wanderer zu sein. Da wir uns in der Region zwischen Rheinebene, Bergstraße und Odenwald befinden, touristisch vermarktet unter der Bezeichnung „Nibelungenland“, war der Name Pflicht: „Nibelungensteig“ sollte der neue Weg folgerichtig heißen.

Man schrieb von einer geplanten Wegführung von Zwingenberg an der Bergstraße bis Grasellenbach mit einer Länge von ca. 43 km.

Ui, den will ich laufen und zwar an einem Tag und auch noch bedosen!, war meine erste Reaktion. Zwar war ich seit meiner aktiven Pfadfinderzeit nicht mehr wirklich wandern (von einem genialen Tag auf der „Discover your skills“-Runde abgesehen), aber wo ein Wille ist… Ok, der Plan stand, aber der Steig noch nicht – die Wegemarkierungsarbeiten zogen sich hin, so dass erst im folgenden Frühjahr (2008) der Steig eröffnet werden konnte.
Mein Plan stand immer noch, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen, alleine wollte ich auch nicht laufen und auch nicht mit jedem, so dass sich die Umsetzung immer wieder verzögerte. So lange verzögerte, bis mich plötzlich der nächste Zeitungsartikel aus heiterem Himmel traf: Der Steig wird verlängert bis nach Freudenberg am Main. Aha. Von 43 km Länge auf lockere 124 km. Oha, 4.400 Höhenmeter im Anstieg. Hmm, das schaffe ich jetzt nicht mehr an einem Tag… zumindest nicht zu Fuß.

Jetzt galt es, der Plan musste überarbeitet werden und, zuallererst, ein verlässlicher Wanderpartner motiviert werden. Letzteres gelang mir schnell, asturiencacher war gleich angefixt und nach ein paar Proberunden auch selbst davon überzeugt, dass der Steig machbar wäre. Vier Wandertage sollten es werden, mit Teilstücken von jeweils über 30 km Länge. Und der Ansatz für die zu legende Dose war auch schnell klar: Jedes Teilstück sollte ein Multicache werden. Mit einer Dose. Nix für die Statistik, nur für’s Ego.

Auf dem Nibelungensteig, Teil 1
oder Unser Kreuz mit dem Gumpener Kreuz

Los ging es Ende Oktober 2010 mit der ersten Etappe. Im Dunkeln starteten wir frühmorgens in Zwingenberg, oben auf dem Melibokus hatten wir dann unseren ersten Odenwälder Gipfel geschafft und konnten in der Dämmerung einen tollen Ausblick in die leicht vernebelte Rheinebene genießen. Der Steig führte uns weiter über den Ohlyturm und durch das grandiose Reichenbacher Felsenmeer mit der Riesensäule und anderen sehenswerten Felsformationen. Nachdem wir den Abstieg durch das Felsenmeer nach Reichenbach hinter uns hatten und es über das Hofgut Hohenstein wieder stetig nach oben ging, war uns auch klar, warum der Wanderweg „Steig“ genannt worden war, bewusst hatte man die Wegführung mit möglichst vielen An- und Abstiegen, in der Regel über die Gipfel gewählt. Und das kann sogar im Odenwald anstrengend sein 😉 Nachdem der kräftezehrende Anstieg von Schlierbach nach Lindenfels geschafft war und wir uns noch ziemlich fit fühlten, wanderten wir weiter, über das Gumpener Kreuz nach Weschnitz. Der finale Anstieg am Kreuz gab uns ziemlich den Rest, so dass wir froh waren, uns nach ca. 33 km und 1.200 Höhenmetern am Wanderparkplatz bei der Walburgiskapelle abholen lassen zu können.

Das sagenumwobene Gumpener Kreuz war unser Running Gag dieser Wanderung – was dort schon so alles passiert sein soll, ui ui ui. Freund asturiencacher war voller Informationen über diesen Nabel der Welt, so dass ich ganz gespannt dann an der illustren Stelle ankam. Ja ja, vorher war es ja schon lustig, der weitere Weg war nach tatsächlicher Sichtung der Lokation aber noch viel lustiger 😉 …

Unterwegs hatten wir die Informationen zu den Stages aufgenommen, viele Bilder geschossen und das Final versteckt, so dass nach ein paar Tagen das Listing veröffentlicht werden konnte. Und dann passierte etwas erstaunliches: GC2H7T4 – Auf dem Nibelungensteig, Teil 1 kam in der lokalen Cachergemeinde richtig gut an! Viel Interesse, aber auch Respekt vor der Strecke und Unklarheit, ob man das selber schaffe – ähnlich war es uns ja auch vor dem Start ergangen. Es formierte sich schnell ein vierköpfiges FTF-Team um WaldMeisterX, das zwei Tage nach Veröffentlichung Gold holte.

Auf dem Nibelungensteig, Teil 2
oder Odenwälder Tourismusberatung

Die schönen Ausblicke und die abwechslungsreiche Landschaft des ersten Teils wurden beim zweiten Teil durch lange Walddurchgänge abgelöst. Die Highlights waren der Siegfrieds-Brunnen bei Grasellenbach, das Naturschutzgebiet Rotes Wasser, der Marbach-Stausee, das Himbächel Viadukt und das Eberstadter Felsenmeer. Und natürlich unsere unvergessliche Begegnung mit dem Bergsträßer Tourismus…. Kaum waren wir hinter Grasellenbach bei einem der vielen Siegfriedsbrunnen angelangt (hier übrigens in überaus ansehnlicher Form und Lage!), hörten wir es hinter uns auf dem Steig im Gleichschritt Schnaufen und Trampeln. Wie ein D-Zug zog ein Paar im Alter von ca. 50 vorbei, mit knappem Nicken und ohne einen Blick an die  Landschaft zu verschwenden. Wir tauschten belustigte Blicke aus, zuckten die Achseln und machten uns auch weiter auf unserem Weg. Mehr als zehn Kilometer weiter beim Himbächel Viadukt trafen wir sie dann wieder, erstaunlicherweise kamen sie wieder von hinten herangestürmt, dieses Mal in besserer Laune und man kam ins Gespräch. Interessiert erfuhren wir von der touristischen Berufung des Reiseleiters, und durften dem zustimmenden Nicken seiner Frau zuschauen, während er den Steig auseinandernahm.

Unglaubliches tat sich auf! Wie konnte hier nur ein Premium-Wanderweg durch den Odenwald gelegt werden, ohne dass regelmäßig für Restauration gesorgt wurde? Und wie konnte man es sich erlauben, Teile des Weges geschottert zu lassen. Und, nicht zuletzt die unsägliche Situation beim Odenwälder Personennahverkehr. Wer würde denn den Steig laufen, wenn er nicht mehr zum Ausgangspunkt zurückkäme. Die Aussage zum ÖPNV mussten wir stehen lassen, der ist im Odenwald wirklich grottig, aber Versuche, den restlichen Aussagen unsere Sicht entgegen zu halten, waren ob der Mission des Tourismus-Experten zum Scheitern verurteilt. Um nicht unhöflich das Gespräch abrupt zu beenden, schoben wir meine Hüfte als Vorwand vor, uns vom D-Zug abzukoppeln und genossen gleich darauf wieder die herrliche Ruhe auf dem in diesem Teil (wie auch sonst den meisten Teilen…) NICHT geschotterten Steig… 😉

Sehr beeindruckend war das naturbelassene Rote Wasser, ein Hochmoor, in dem seltene Pflanzen- und Amphibienarten beobachtet werden können.

Einige Tage nach unserer Tour wurde dann GC2QA1H – Auf dem Nibelungensteig, Teil 2 veröffentlicht. Der FTF ging wieder an ein achtköpfiges Team (dieses Mal um WaldMeisterX 😉 ), drei Tage nach der Veröffentlichung.

Auf dem Nibelungensteig, Teil 3
oder Odenwälder Prachtschinken und Dark Awakening

Im Mai 2011 stand dann unser dritter Teil an. Von Bullau ging es auf ca. 30 Kilometern Wegstrecke und ca. 800 Höhenmetern nach Beuchen bei Amorbach. Sehr apart waren der erste Odenwälder Wetterstein in Schöllenbach, der wieder aufgebaute Limesturm bei Hesselbach und der Dreiländerstein. Letzterer zeigte uns mal wieder die Realität: Mitten im Wald stand da, nach einem netten Anstieg auf einem schmalen Wanderweg, ein Grenzstein, der die Landesgrenze zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern markiert. Wir machten uns noch lustig darüber, dass sich an ebendieser Stelle regelmäßig die Ministerpräsidenten der drei Bundesländer treffen, um sich gute Zusammenarbeit zuzusichern – wir vermuteten, dass die Herren sicher mächtig ins Schwitzen kommen bei der Anreise. Kaum waren wir ein paar Schritte weitergegangen, stellte sich allerdings heraus, dass hier mitten Walde ein Waldweg angelegt wurde, mit einem Wendehammer, auf dem ein Bus problemlos drehen kann… Ja ja… Lustig auch die Inschriften auf dem Stein: „GH“ für das Großherzogtum Hessen, „GB“ für das Großherzogtum Baden und „KB“ für das Königreich Bayern! 😉 In Hesselbach war es auch sonst sehr lustig, fuhr doch auf einem Abschnitt des Weges wie bei den Waltons eine Holzfällerfamilie mit mehreren Fahrzeugen an uns vorbei in Richtung Holzplatz, einigen Traktoren folgte am Ende der Karawane die Tochter des Hauses auf einem Quad – in Hüftjeans… Warum auch immer, aber seitdem hält sich hartnäckig die Mär vom famosen Odenwälder Prachtschinken.

Weiter ging es dann zum Schloss Waldleiningen. In englischem Stile erbaut, erscheint es wie aus einem Harry Potter Film! Leider kann das Schloss nicht besichtigt werden, da es heute als Klinik genutzt wird. Die Fotos des Schlosses mit den umgebenden Gewitterwolken waren sehr interessant und zeigten, was nun auf uns zukommen sollte; zwei Gewitter in Folge auf dem restlichen Weg dieser Etappe.

Der Weg führte uns weiter durch das Breitenbachtal, das „Tal der Bildstöcke“, die ältesten Bildstöcke datieren aus dem 14. Jahrhundert.  Nach einem Besuch des „Wattenbacher Hauses“, einem Museum, ging es zur Ruine der Burg Wildenberg. Diese sehr imposante Großburg, deren älteste Teile aus dem 11. Jhdt. datieren, hat ihr hochmittelalterliches Aussehen sehr gut erhalten. Neben der Burg findet sich noch eine Felsenwand, in der eine kleine, geheimnisvolle Höhlenkammer angelegt wurde. Burg und Höhle werden in der Sage ein Zusammenhang mit dem heiligen Gral nachgesagt.

Davon wussten die anderen Besucher der Ruine wohl auch Bescheid, eine Gruppe von 20+ -Jährigen sprang zu Gothic und Electro Musik balancierend in mehreren Metern Höhe auf den Mauerresten umher und zelebrierte ihr Dark Awakening.

Auch bei diesem dritten Teil GC2X070 – Auf dem Nibelungensteig, Teil 3 verwunderte es wenig, dass eine Reisegruppe um WaldMeisterX zwei Tage nach Publish den FTF holte… 😉

Auf dem Nibelungensteig, Teil 4
oder Odenwälder Äpfel und Erdbeermarmelade

Unseren letzten Teil des Steiges liefen wir dann im Juli 2011. An einem perfekten, nicht zu heißen Sommertag liefen wir zuerst von Beuchen aus in Richtung Amorbach. Unser Weg führte uns an der Zitterbacher Quelle vorbei – einem sehr schönen, von Farnen umgebenem Ort, der insbesondere bei feuchtem Wetter, wenn das Wasser in Form eines kleinen Wasserfalles zutage tritt. Amorbach streiften wir nur, besonders im Gedächtnis blieb uns die „Villa Amore“, bevor wir einen leichten Anstieg zur Gotthards-Kapelle in Angriff nahmen. Von dem ehemaligen Frauenkloster aus dem 12. Jahrhundert steht noch der Kirchenbau, Wände und Fensterausschnitte sowie das Dach sind noch vorhanden, auf den Turm wurde eine Aussichtsplattform gebaut, die einen der schönsten Ausblicke über den Odenwald bietet, Amorbach und die umgebenden Seitentäler liegen dem Betrachter zu Füßen.

Weiter ging es in Richtung der Schwedenschanze, einer keltischen Befestigungsanlage auf einer Bergkuppe. Von dort aus sahen wir in zum ersten Mal im Laufe unserer Wanderung, den Main. Den Abstieg nach Miltenberg nahmen wir leichten Fußes, näherten wir uns doch immer mehr unserem Ziel. Der Zugang zum mittelalterlichen Städtchen Miltenberg erfolgt durch ein altes schmales Stadttor in der Nähe der Burg Miltenberg, wir genossen hier jeden Schritt, es war wie in einer Zeitreise. Nach einem verdienten Cappuccino für mich und einer Latte Macchiato auf der Hose des asturiencachers wanderten wir weiter. Der Steig führte uns nun ein ganzes Stück entlang des Mains flussaufwärts und dann nach Bürgstadt. Die dortige Kapelle ist definitiv einen Besuch wert, der Schlüssel kann in den benachbarten Geschäften geholt werden.

Dann kam der letzte Anstieg. Über einen historischen Waldweg führte der Steig durch ein historisches Steinmetzgebiet. Überall finden sich Überbleibsel von Steinmetzaktivitäten, halbfertige, geborstene Säulen, Särge oder Mühlrad-Rohlinge. Wir stellten uns vor, unter welchen Bedingungen man hier vor Jahrhunderten Stein bearbeitet und geborgen haben muss. Die Ruine der Centgrafenkapelle wurde besichtigt und schon hatten wir unseren letzten Gipfel dieser Wanderung erreicht, den Wannenberg. Ein Stück weiter des Weges konnten wir noch die Burgruine Freudenberg besichtigen, bevor wir auf den letzten Metern Abstieg nach Freudenberg auslaufen konnten.

Ein wenig wehmütig kamen wir dann an unserem Ziel an – Freudenberg am Main war erreicht, der Steig für uns Geschichte. Noch eine kurze Pause am Main und ein Eis und wir fuhren nach Hause. Mit vielen Eindrücken und neuen Ideen.

Wer erwartet nun noch anderes, als dass auch beim vierten und letzten Teil der Multiserie GC31GAE- Auf dem Nibelungensteig, Teil 4 wieder WaldMeisterX das FTF-Team organisierte… 😉

N – The Challenge

Zum Abschluss der Serie wollten wir noch einen würdigen Challenge-Cache auslegen für alle Nibelungensteig-Finisher. Allerdings sind wir noch nicht sicher, ob er wirklich „Challenge“ heißen soll; diese Bezeichnung ist seit der Einführung der Challenges durch Groundspeak sehr negativ belastet. Im Zweifelsfall wird es ein Mystery-Bonus, den die Finder aller vier Teile aufsuchen können.

Fazit

Schön war es auf dem Steig! Vier tolle Wandertage, die Beschäftigung mit den unterwegs anzutreffenden Lokationen und Bauten und die Landschaft werden uns immer wieder gerne auf den Nibelungensteig zurückblicken lassen.

Unsere Meinung: unbedingt empfehlenswert!

Links zu den Caches der Nibelungensteig-Serie

Allgemeine Links

Literatur-Empfehlungen bei Amazon

Gesamt-Höhenprofil Nibelungensteig

Höhenprofil

Karte

Kartenansicht Nibelungensteig - Karte von OpenStreetMap
Kartenansicht Nibelungensteig – Karte von OpenStreetMap

Fotogalerie

6 Gedanken zu „Wandern auf dem Nibelungensteig“

  1. Das hört sich wirklich spannend an – den werd ich mir auch mal vormerken. Danke für den spannenden Bericht ! Die Begegnung mit dem Tourismus kann ich mir bildlich vorstellen (selbst schon reichlich Erfahrungen dieser Güte gehabt), und auch der Odenwälder Prachtschinken will mein Kopfkino einfach nicht verlassen….

    Als alternder Sack wäre mir zwar eine Aufteilung in 5 Tagesetappen etwas genehmer (man wird ja nicht jünger 😉 ), aber ich schätze mal man wird auf der Heimatseite des Nibelungensteigs auch den einen oder anderen Tip zu Anreise und Übernachtung finden, man muss die Aufteilung ja nicht zwingend beibehalten.

    So bleibt zum Schluss nur die Frage: Warum gibts unter diesem Artikel keinen Flattr-Button ? Der wärs echt wert gewesen !

    chrysophylax.

    1. Die Homepage des Nibelungesteig bietet tatsächlich auch organisierte Touren mit Gepäcktransport an. Damit ist auch der ganze Steig relativ „leicht“ in einem Stück zu bewältigen.
      manic.mechanic

  2. Ein toller Bericht über eine tolle Tour. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle fürs Bedosen und damit für den Anreiz, den Nibelungensteig vor der Haustür auch wirklich mal in Angriff zu nehmen und nicht nur immer darüber zu reden.

    Nach über gelaufenen Kilometern ist MEIN Ego gewachsen und habe viel über die Heimat gelernt!

    Und Grüße auch an diesen legendären WaldmeisterX…

    steffisburg

  3. Hi helixrider,

    kannst Du mal bitte Deine Unterkünfte posten, oder wart ihr stilgemäß (frei)zelten?

    LG

    Phanto.mias

  4. Sorry! Lesen hilft! Habe beim „Überfliegen“ übersehen, dass ihr den Steig in zeitlich auseinanderliegenden Etappen gelaufen seid.

    Gruß

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